MTU Aero Engines feiert das 60-jährige Jubiläum ihrer REFA-Mitgliedschaft

Die Überreichung der Ehrenurkunde konnte trotz der schwierigen Zeit vor Ort am Standort München erfolgen.

Anerkennung für 60 Jahre REFA-Mitgliedschaft „zu Hause“ bei der MTU – genauer, vor dem GP7000 vor dem MTU-Museum (v.l.): Gerhard Grund (Representative Arbeits- und Zeitwirtschaft, TFPA), Ulrich Peters (Bereichsleiter Produktion, TO), Nicola Dambowy (Leiterin Produktionssupport, TFP), Olaf Rokitta 8Leiter Instandsetzung, Montage, Produktionsservice, TI), Thomas Stocker (Stv. Vorsitzender, BR) und Franz Paula (Industrial Engineering, TIP, REFA-Vorstand Gliederung München-Augsburg) mit der Ehrenurkunde.

Wie wichtig und aktuell die REFA-Methoden für das Unternehmen sind und wie der diesbezügliche organisatorische Aufbau im Unternehmen ist, wurde durch einen Beitrag im firmeninternen Intranet präsentiert.
Dieser Beitrag wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt und kann hier auszugsweise gelesen werden.
Die REFA Gliederung München-Augsburg bedankt sich hierfür bei MTU Aero Engines herzlich.

Quelle: MTU Intranet – Auszug des Artikels „Auf die Sekunde verlässlich“

Verlässliche Zeitdaten für Management, Arbeitsvorbereiter und Fertigungssteurer

„Unternehmerische Entscheidungen sollten stets auf der Grundlage des realen Betriebsgeschehens getroffen werden“, schreibt es der Bundesverband auf seinem Internetauftritt. „Dies erfordert eine solide Datenbasis über die Kostenstruktur des Unternehmens und über den eingesetzten Zeitaufwand der Akteure. Auch wenn die betriebliche Leistungserstellung noch von weiteren Faktoren beeinflusst wird, ist die aufgewendete Zeit meist die zentrale Bestimmungsgröße. Von ihr hängt es ab, wie lange ein Auftrag dauert und was er kostet.“ Es gehe darum, Management, Arbeitsvorbereiter und Fertigungssteurer mit verlässlichen Zeitdaten aus dem Betrieb auszustatten. Wie, wenn nicht mit ihnen als Grundlage, sollten sie eine verlässliche Disposition und Kalkulation aufstellen?

Erst einmal geht es aber darum, mit einem Missverständnis aufzuräumen. „Natürlich komme ich bei der Zeiterfassung um eine Uhr nicht herum“, sagt mit Gerhard Grund (TFPA) jener Mann, der seit dem Jahr 2007 bei der MTU als REFA-Chairman bestellt ist. „Genauso wenig, wie ich beim Wiegen um eine Waage herumkomme.“ Was REFA eben gerade nicht bedeute: „Mit der Stoppuhr am Arbeitsplatz zu stehen, um im Sinne der Gewinnmaximierung hier eine halbe Minute und dort ein paar Sekunden ‘rauszuschinden.“

Im Jahr 1961 war die MTU dem REFA-Verband beigetreten, etwas über zehn Jahre später kam Grund zur MTU. „Das erste Mal hatte ich mit REFA in Richtung Ende der 1980er Jahre zu tun.“ Grund war da gerade in die Arbeitsvorbereitung der Produktion gewechselt. „Und es wurde allen Beteiligten immer klarer, dass die Zeitwirtschaftsthemen einmal mit System angegangen werden müssen.“ Nicht, weil die Mitarbeiter zu langsam gearbeitet hätten. „Sondern weil wir praktisch keine belastbare Grundlage hatten, auf der wir rechnen konnten.“

Grund belegt eine REFA-Schulung nach der anderen. Ablaufanalyse. Flussdiagramme. Methodenlehre. Normalleistung. Prozessmodellierung. Stückzeit. Zeitklassenverfahren. Das REFA-Glossar ist wie das Alphabet – nur zwanzigmal so lang. „Je tiefer wir uns da reingefuchst haben, desto mehr hat uns das an der Linie weitergebracht“, erinnert er sich. Dass Gerhard Grund zur Einführung der zentralen Zeitwirtschaft um das Jahr 2010 auch das offizielle REFA-Mandat für den Standort München bekommt: Formsache.

Kontinuität ist so etwas wie der Kern der REFA

Im Januar gehen für Grund nicht nur Jahrzehnte der REFA-Tätigkeit zu Ende, sondern auch fast 50 Jahre bei der MTU. Ohne penible Übergabe verabschiedet sich Grund freilich nicht in den Ruhestand.

Stabübergabe: Franz Paula (l.) übernimmt die REFA-Aufgaben von Gerhard Grund.

Herr Paula, wie geht’s weiter?

„Solide, so wie immer.“ Kontinuität sei schließlich so etwas wie der Kern der REFA-Zeiterfassung. Nicht aus Selbstzweck. Sondern aus der Natur der Sache heraus. „Die gleiche Tätigkeit soll unter gleichen Bedingungen die gleiche Planzeiten bekommen“, erklärt Paula. „Das funktioniert einfach nicht, wenn man ständig die Methodik wechselt.“

Gerade auf die Vergleichbarkeit komme es schließlich an. Darum, sie auch bei geänderten Rahmenbedingungen und neuen Bauteilen oder überarbeiteten Prozessen gewährleisten zu können. Rüstzeit, Fertigungszeit, Verteilzeit und Erholzeit, als auch Liege- und Transportzeiten: „Erst wenn wir sie belastbar beziffern können, bekommen wir auch eine objektive Entscheidungsgrundlage für Vorgabezeiten und Preiskalkulationen“, erklärt Paula.

Wenn man so will: Genau das, worauf damals auch die Herren aus waren, als sie sich im Herbst 1924 in Darmstadt trafen, als der Verband gegründet wurde.

Aus der Praxis: Ein kurzer Plausch mit Florian Wutz

Florian Wutz leitet in der Stator-Fertigung die Linie TFS2 – und er gehört zu den REFAist:innen am Standort München.

„An der Linie brauche ich einen möglichst realistischen Blick“

Herr Wutz, Zeitdruck verursacht Stress, oder?

Dieser Zusammenhang lässt sich nicht wegdiskutieren. Am Arbeitsplatz kurzzeitigem Stress ausgesetzt zu sein, ist in Ordnung. Wenn der Stress dauerhaft wird, dann schadet er. Gerade bei klassischen Bauteil-Fertigungslinien wie bei TFS2 ist ein gesundes Mittel nötig. Und das meine ich durchaus im Wortsinne so.

Ein gesundes Mittel steht auch bei REFA im Mittelpunkt.

Ja, und zwar aus gutem Grund: Wenn ich meine Linie optimal takten will, brauche ich einen realistischen Blick auf das Mögliche und nicht-Mögliche. Gerade in unserem Geschäft hat niemand einen Nutzen davon, wenn Schnelligkeit auf Kosten der Qualität geht. Deshalb ist für die Planzeitbildung ein gesundes Mittel wichtig, das ist doch nur logisch: Der Kollege oder die Kollegin sollen stets in der Lage sein, die gegebene Aufgabe mit einem angemessenen Leistungsgrad in einer angemessenen Zeit durchführen zu können.

Überall wird im fertigenden Gewerbe an erhöhter Effizienz gearbeitet.

So ist es. Und so soll es sein. Deshalb arbeiten auch sämtliche Linien kontinuierlich an der Verbesserung ihrer Prozesse. Eine professionelle Zeitwirtschaft liefert uns dabei eine wichtige Hilfestellung. Was für den Hinterkopf sehr wichtig ist: Im klassischen Teile-Seriengeschäft gibt es Situationen, da fängt jemand am Sonntagabend, 22 Uhr, an – und ist erst am nächsten Samstagmorgen mit seiner Arbeitswoche fertig. Da will ich an meiner Linie einen möglichst guten Flussgrad bei einer gleichbleibenden Auslastung auf hohem Niveau.

Aus der Praxis: Fallbeispiel mit Robert Patzold

Robert Patzold aus der Erdinger Arbeitsvorbereitung (TIEP) gibt Einblick in den Ablauf einer Zeitanpassung im SAP-Arbeitsplan.

Klar definierter Zeiterfassungsprozess

„Konkret geht es um eine Zeitanpassung im SAP-Arbeitsplan im Rahmen von gängigen Prozess- und Tätigkeitsänderungen“, leitet Patzold ins Fallbeispiel ein. Ein ganz klassisches REFA-Beispiel „aus der Verlagerung und Serieneinführung einer Modulneubaumontage vom Standort München zum Betriebsteil Erding“. In deren Zuge wird die bisherige Sechskant-Verschraubung durch Schnellverschlüsse oder sogenannte Rändelschrauben ersetzt. Werkzeuglose Verwendung lautet der Fachterminus. „Dadurch entfällt der Gang zum Werkzeugkasten und das Handling mit dem Maulschlüssel“, erklärt der Arbeitsvorbereiter.

Der erste Schritt sei, die bestehende Zeitermittlung aus SAP in ein Tätigkeitsanalysen-Formblatt zu exportieren. „Dann sprechen wir mit Werker und Fertigungs-Teamleiter durch, was sich dadurch am Ablauf der bislang etablierten Tätigkeiten geändert hat.“ Neu hinzugekommene Tätigkeiten würden in das Formblatt aufgenommen, nicht mehr benötigte Prozessschritte entfernt. „Mit der aktualisierten Tätigkeitsbeschreibung gegen wir dann in die Werkstatt und diskutieren sie, bei Bedarf korrigieren wir sie.“ Anschließend übertragen sie jeweils die einzelnen Zeiterhöhungen und Zeitreduzierungen an die Programmbetreuung – damit sie sie wiederum mit dem Kunden abstimmen kann. Liegen alle Freigaben vor, gelangen die neuen Zeitwerte über das Tool „Capp Knowledge“ ins SAP – und bilden so die neue Basis aller weiteren Planungen der betreffenden Modulneubaumontage.

STATEMENT RALF DIRSCHL

Die Perspektive von Ralf Dirschl, Tarifsekretär in der IG Metall Bezirksleitung Bayern

„Eine Frage des Vertrauens“

„Viele Kollegen haben den Eindruck, dass der Leistungsdruck an ihrem Arbeitsplatz zunimmt. Sie fühlen sich gehetzt oder haben den Eindruck, in den vergangenen Jahren mehr Arbeit in der gleichen Zeit bewältigen zu müssen. Die Ursachen sind vielfältig, keine Frage. Sicher ist allerdings auch: Die willkürliche Festlegung von Soll-Zeiten oder Soll-Stück-Zeiten auf Basis eines Idealzustands ohne Berücksichtigung von Störungen bringt uns nicht weiter. Deshalb ist eine wissenschaftliche Zeitermittlung als Grundstein für eine faire und gesunde Leistungsentgeltgestaltung so wichtig. Für genau diese wissenschaftliche Herangehensweise steht die REFA-Zeitstudie. Mit dieser Charakteristik entfaltet sie auch eine weitere, wie ich finde, sehr wichtige Funktion: Sie stellt Vertrauen zwischen ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen her. Aus gutem Grund also begleiten mich die REFA-Datenermittlungsmethoden praktisch tagtäglich durch den Arbeitsalltag. Meine REFA-Ausbildung habe ich einst übrigens bei der MTU Aero Engines absolviert – und zwar bei: Franz Paula.“

INTERNATIONALISIERUNG

Benedikt Zenker, Manager Produktion Support Engineering Standort Vancouver

Best Practice, weltweit

Die REFA-Zeiterfassung steht nicht für sich allein. Deshalb verfolgt die MTU einen klar standortübergreifenden Ansatz, um die Methodik konzernweit umzusetzen.

Wenn man so will, dann bedeutete der Aufbau der „Functional Group 2, Work Tome & Process Engineering“ im Jahr 2011 die Internationalisierung des REFA-Gedankens. Ein Mann der ersten Stunde ist Bernd Keller, Koordinator Arbeits- und Zeitwirtschaft bei der MTU Maintenance Hannover. „Es war zuerst einmal sehr wichtig, dass alle Standorte bei Thema ‚Zeitwirtschaft‘ von den gleichen Begriffen sprechen und die Ansprechpersonen und Prozessabläufe an den verschiedenen Standorten kennen.“ Da habe einiges an Aufwand und Arbeit dahintergesteckt. „Aber es hat sich bald gezeigt, dass sich das pragmatische und umsetzungsorientierte FG2-Modell dabei bewährt.“

Wenn nicht gerade Pandemie herrscht, treffen sich die REFA-Mandatsträger der weltweiten MTU-Standorte einmal im Jahr persönlich. Sie diskutieren Problemfelder und legen bei Bedarf Aktionen fest. Unterjährig werden die Punkte dann in Videokonferenzen bearbeitet und abgestimmt. Sukzessive implementierten die Standorte seither organisatorische Maßnahmen und bauten eine effiziente Wissensdatenbank auf, die dann wiederum allen MTU-Standorten zur Verfügung steht. Nach Möglichkeit wird Aufgabe wird nur einmal ausgeführt und ist dann für die gesamte MTU-REFA-Community schnell und unkompliziert verfügbar.

Worum es dabei ausdrücklich nicht geht: Einzelne Konzepte gleichermaßen auf alle Standorte auszurollen. „Stattdessen muss man sich das wie ein weltweites Best-Practice-Sharing vorstellen“, sagt mit Benedikt Zenker der REFA-Mandatsträger bei der MTU Maintenance Canada in Vancouver. „Davon haben wir bei der Einführung der V2500 bei uns am Standort enorm profitiert.“

Den Hintergrund erklärt Zenker so: „Wenn wir sehen, dass ein anderer Standort für einen bestimmten Arbeitsschritt eine stark abweichende Planzeit verwendet, können wir uns sehr gezielt an die Analyse machen, woran das liegt.“ Würde sich dabei herausstellen, dass etwa in Vancouver die Wege ganz andere seien als beispielsweise in Hannover – „dann können wir sagen: Aha, die Differenz ist ganz offensichtlich den unterschiedlichen Standortgegebenheiten geschuldet.“ Und wenn nicht? „Dann hätten wir über REFA einen sehr plausiblen Ansatzpunkt, um an unserer Prozessverbesserung zu arbeiten.“

Keller, der Zeitwirtschafts-Koordinator in Hannover, bestätigt das. „Es geht bei REFA nicht darum, auf Biegen und Brechen Vergleichbarkeit herzustellen. Sondern darum, mit einer vergleichbaren Methodik Vergleichbarkeit dort verlässlich herstellen zu können, wo die äußeren Gegebenheiten auch wirklich vergleichbar sind.“

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